Ein Notgroschen ist Geld, mit dem Sie eine unerwartete Ausgabe bezahlen oder einen Einkommensausfall überbrücken, ohne einen Kredit aufnehmen zu müssen. Am häufigsten empfohlen werden drei bis sechs Monatsausgaben, doch das ist eine Faustregel, kein Naturgesetz. In diesem Artikel finden Sie, was die Daten über den Notgroschen sagen: wie viele Menschen in Deutschland keinen haben, wie lange Erwerbslose nach Arbeit suchen, was das Arbeitslosengeld ersetzt und warum eine Reserve 2026 bei allen Durchschnittszinsen an Kaufkraft verloren hat. Wie viele Monate Ihr eigener Notgroschen reicht, rechnen Sie im Rechner weiter unten aus.
Was ein Notgroschen ist und was nicht hineingehört
Ein Notgroschen (auch Notreserve oder Rücklage für Notfälle) ist Geld, das Sie innerhalb weniger Tage verfügbar haben, dessen Wert nicht schwankt und das für nichts Bestimmtes verplant ist. Im Glossar finden Sie ihn als Notfallfonds, und das entscheidende Wort in der Definition ist unerwartet: Der Notgroschen ist für Ereignisse da, die sich nicht planen lassen.
In den Notgroschen gehört deshalb Geld auf dem Giro- und Tagesgeldkonto sowie ein vernünftiger Betrag an Bargeld. Nicht hinein gehören:
- Geld für geplante Ausgaben wie Urlaub, die einmal im Jahr fällige Versicherung oder das nächste Auto. Dafür gibt es die zweckgebundene Rücklage. Wer beides zusammen hält, hat einen kleineren Notgroschen, als er glaubt,
- Geldanlagen, die man im ungünstigen Moment mit Verlust verkaufen müsste,
- Dispositionskredit und Kreditkarte: Das sind Schulden, die in der Not teuer werden, keine Reserve.
Wie viele Menschen in Deutschland keinen Notgroschen haben
Nach der europäischen Erhebung EU-SILC lebten 2025 31,9 % der Menschen in Deutschland in einem Haushalt, der eine unerwartete Ausgabe von 1 300 Euro nicht aus eigenen Mitteln bezahlen konnte. Mit diesem Betrag rechnet das Statistische Bundesamt für Deutschland. Jedes Land hat in der Erhebung eine eigene Summe, die sich nach dem Einkommensniveau richtet.
Deutschland liegt damit über dem EU-Durchschnitt von 29,2 % und unter den 27 EU-Staaten auf Platz 19, gezählt vom niedrigsten Anteil aus. Am niedrigsten ist der Anteil in den Niederlanden (15,3 %), in Österreich sind es 20,9 %. Seit 2023 (35,0 %) ist der Anteil in Deutschland gesunken. Mit den Jahren vor 2020 lässt er sich nicht vergleichen, weil Deutschland die Erhebung 2020 umgestellt hat und Eurostat dort einen Bruch in der Zeitreihe ausweist.
Der Durchschnitt verdeckt große Unterschiede. Am stärksten betroffen sind Alleinerziehende, Familien mit drei und mehr Kindern und Alleinlebende unter 65 Jahren:
Balkenlänge: 100 % der Breite entsprechen 60 % der Menschen. Gemessen wird der Anteil der Personen, nicht der Haushalte.
Auffällig ist, wo Deutschland vom EU-Durchschnitt abweicht. Jüngere ohne Partner und Familien stehen schlechter da: Bei Alleinlebenden unter 65 sind es 44,7 % (EU 38,5 %), bei Alleinerziehenden 58,5 % (EU 53,7 %). Ältere stehen dagegen besser da als im EU-Schnitt, bei Paaren mit mindestens einer Person ab 65 sind es 19,2 %, bei Alleinlebenden ab 65 31,5 %.
Der Notgroschen hat zwei Stufen
Die Forscher des Vermögensverwalters Vanguard teilen die Reserve in zwei Teile mit unterschiedlicher Aufgabe:
- Polster für unerwartete Ausgaben: kaputte Waschmaschine, Autoreparatur, Zahnarzt. Vanguard schlägt mindestens 2 000 Dollar oder einen halben Monat Ausgaben vor, je nachdem, was mehr ist. Als deutscher Anhaltspunkt: Die Erhebung EU-SILC rechnet für Deutschland mit einer unerwarteten Ausgabe von 1 300 Euro.
- Reserve für einen Einkommensausfall: Jobverlust, Krankheit, Pause zwischen Aufträgen. Hier ist von drei bis sechs Monatsausgaben die Rede.
Die Unterscheidung ist auch durch Daten gedeckt. In einer Studie vom April 2025 hat Vanguard 12 443 eigene Kundinnen und Kunden nach ihren Ersparnissen und ihrem finanziellen Befinden gefragt. Wer mindestens 2 000 Dollar Reserve hatte, kam auf einen um 21 % höheren Wert beim finanziellen Wohlbefinden als Menschen ohne Reserve. Eine Reserve von drei bis sechs Monatsausgaben brachte weitere 13 %. Beides gilt auch, wenn Einkommen, Schulden und Vermögen berücksichtigt werden. Kunden ohne Reserve verbrachten 7,3 Stunden pro Woche mit ihren Finanzen, Kunden mit mindestens 2 000 Dollar 3,7 Stunden.
So lesen Sie diese Ergebnisse: Befragt wurden Kunden eines amerikanischen Vermögensverwalters, also Menschen mit überdurchschnittlichem Vermögen in den USA. Die Studie zeigt einen Zusammenhang, nicht, dass die Reserve selbst die Zufriedenheit erhöht. In eine ähnliche Richtung weist eine Untersuchung bei Haushalten aus benachteiligten Wohnvierteln in den USA: Wer für unerwartete Ereignisse gespart hatte, hatte drei Jahre später etwas seltener Probleme, etwa nicht genug zu essen (Gjertson, 2016). Auch eine kleine Reserve ist besser als keine.
Wie viele Monate: drei oder sechs?
Drei bis sechs Monate sind eine Empfehlung, kein Gesetz. Die Verbraucherzentrale nennt als Faustregel zwei bis drei Monatsgehälter auf dem Tagesgeldkonto und betont, dass die richtige Höhe von der eigenen Situation abhängt. Wo Sie zwischen diesen Werten liegen, hängt von drei Dingen ab: wie lange ein Einkommensausfall dauern kann, wie viel davon der Staat ersetzt und wie riskant Ihr Haushalt ist.
Wie lange Erwerbslose nach Arbeit suchen
Eurostat erhebt jedes Jahr, wie lange Menschen, die gerade erwerbslos sind, schon nach Arbeit suchen. In Deutschland waren es 2025 rund 1,7 Millionen:
| Wie lange sie suchen | Tausend Personen | Anteil |
|---|---|---|
| Weniger als 1 Monat | 225,8 | 13 % |
| 1–2 Monate | 370,2 | 22 % |
| 3–5 Monate | 322,7 | 19 % |
| 6–11 Monate | 301,8 | 18 % |
| 12–23 Monate | 236,7 | 14 % |
| 2 Jahre und länger | 234,7 | 14 % |
Quelle: Eurostat, Arbeitskräfteerhebung (lfsa_ugad), Alter 15–74 Jahre. Erwerbslose nach dem Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), nicht identisch mit den bei der Bundesagentur registrierten Arbeitslosen. Anteile aus der Summe der aufgeführten Gruppen.
Knapp die Hälfte der Erwerbslosen (46 %) sucht länger als ein halbes Jahr nach Arbeit, mehr als jeder Vierte (28 %) länger als ein Jahr. Vorsicht bei der Deutung: Es ist eine Momentaufnahme der Menschen, die gerade ohne Arbeit sind. Wer schnell etwas findet, verschwindet schnell aus ihr. Lange Suchen sind deshalb stärker vertreten, als es dem typischen Fall eines Menschen entspricht, der seine Stelle verliert. Trotzdem zeigt die Tabelle: Ein halbes Jahr ohne Arbeit ist keine Ausnahme.
Was das Arbeitslosengeld ersetzt
Das Arbeitslosengeld ersetzt nur einen Teil des Einkommens und nur für eine begrenzte Zeit. Nach dem Sozialgesetzbuch III beträgt es 60 % des pauschalierten Nettoentgelts, für Arbeitslose mit mindestens einem Kind 67 %. Das pauschalierte Nettoentgelt ermittelt die Agentur für Arbeit aus dem früheren Bruttolohn.
Wie lange es gezahlt wird, hängt von der Versicherungszeit und vom Alter ab. Unter 50 Jahren sind es nach zwölf Monaten Versicherungspflicht sechs Monate, nach 24 Monaten höchstens zwölf Monate. Ab 50 steigt die Dauer in Stufen auf bis zu 24 Monate ab 58 Jahren (Stand 30. 10. 2026).
Für den Notgroschen sind drei Punkte wichtig:
- Das Geld kommt nachträglich. Laut Bundesagentur wird bewilligtes Arbeitslosengeld monatlich rückwirkend zum Monatsende überwiesen. Die ersten Wochen müssen Sie selbst überbrücken.
- Sperrzeit. Wer ohne wichtigen Grund selbst kündigt oder einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, muss mit einer Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen rechnen, in der kein Arbeitslosengeld gezahlt wird.
- Danach. Endet der Anspruch, bleibt nur das bedürftigkeitsgeprüfte Grundsicherungsgeld, das bis Ende Juni 2026 Bürgergeld hieß. Eigenes Vermögen wird dabei angerechnet, soweit es altersabhängige Freibeträge von 5 000 bis 20 000 Euro je Person übersteigt (§ 12 SGB II, Stand 30. 10. 2026).
Keine persönliche Berechnung: Die Angaben oben beschreiben die gesetzlichen Regeln. Ob ein Anspruch besteht und wie hoch er ist, prüft immer die Agentur für Arbeit. Eine unverbindliche Orientierung gibt der Arbeitslosengeld-Rechner der Bundesagentur.
Was den Notgroschen Richtung drei und was Richtung sechs Monate verschiebt
| Eher um drei Monate | Eher sechs Monate und mehr |
|---|---|
| Zwei Einkommen im Haushalt, jedes würde allein die nötigen Ausgaben decken | Ein einziges Einkommen oder alleinerziehend |
| Unbefristete Stelle in einem Beruf, in dem man leicht Arbeit findet | Selbstständigkeit, Arbeit auf Auftrag, schwankendes Einkommen |
| Niedrige Fixkosten, Wohnen ohne Kredit | Immobilienkredit und andere Raten, die sich nicht aufschieben lassen |
| Neues Auto, frisch renovierte Wohnung | Älteres Haus oder Auto, bei dem eine große Reparatur droht |
| Gute Gesundheit, Absicherung bei Berufsunfähigkeit | Gesundheitliche Risiken, Pflege eines Angehörigen |
Bei Selbstständigen und Menschen mit schwankendem Einkommen kommt hinzu, dass ein Ausfall nicht auf einmal kommen muss. Es reichen ein paar schwächere Monate hintereinander.
Wie Sie Ihren Ausgabenmonat berechnen
Der Notgroschen wird aus den Ausgaben berechnet, nicht aus dem Einkommen. Er soll bezahlen, was Sie ausgeben, und bei einem Einkommensausfall laufen genau die Ausgaben weiter. Am genauesten ist es, die tatsächlichen Ausgaben der letzten zwölf Monate zu nehmen und durch zwölf zu teilen. Ein ganzes Jahr erfasst auch Zahlungen, die nur ab und zu fällig werden: Versicherungen, Jahresabos oder die Nachzahlung für Heizkosten.
Für eine strengere Rechnung genügen die notwendigen Ausgaben: Wohnen, Energie, Lebensmittel, Mobilität, Kreditraten, Versicherungen und Medikamente. In der Not lassen sich Freizeit und Reisen einschränken, Raten nicht.
Wie viel ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland ausgibt, zeigen die Laufenden Wirtschaftsrechnungen (LWR) des Statistischen Bundesamts. 2024 lagen die privaten Konsumausgaben bei 3 257 Euro je Haushalt und Monat. Gut ein Drittel (36,3 %) entfiel auf Wohnen, Energie und Instandhaltung der Wohnung, weitere 14,0 % auf Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren. Zusammen ist das rund die Hälfte.
| Monatlich | 3 Monate | 6 Monate | |
|---|---|---|---|
| Alle Haushalte (Durchschnitt) | 3 257 € | 9 800 € | 19 500 € |
| Einpersonenhaushalt | 2 042 € | 6 100 € | 12 300 € |
| Zweipersonenhaushalt | 3 721 € | 11 200 € | 22 300 € |
| Dreipersonenhaushalt | 4 467 € | 13 400 € | 26 800 € |
| Vierpersonenhaushalt | 5 067 € | 15 200 € | 30 400 € |
Private Konsumausgaben je Haushalt und Monat; Werte für drei und sechs Monate auf 100 € gerundet. Nicht enthalten sind Versicherungsbeiträge, Steuern sowie Zins und Tilgung von Krediten. Wer eine Kreditrate oder Versicherungen zahlt, muss sie dazurechnen. Bei Eigentümern enthält der Posten Wohnen einen unterstellten Mietwert, den sie nicht tatsächlich überweisen.
Der Durchschnitt ist nur eine Orientierung. Eine Familie zur Miete in München und ein Rentnerpaar im abbezahlten Haus auf dem Land haben einen völlig anderen Monat. Rechnen Sie deshalb unten mit Ihren eigenen Zahlen.
Die reale Veränderung rechnet mit einer Inflation von 3,3 % (Destatis, September 2026) und vor Steuern. Zinsen sind Kapitalerträge; ihre Besteuerung richtet sich nach den deutschen Regeln (Abgeltungsteuer, Sparer-Pauschbetrag, Freistellungsauftrag), die das Bundeszentralamt für Steuern erklärt. Die Durchschnittszinsen sind Bruttosätze der EZB-Zinsstatistik für Einlagen privater Haushalte in Deutschland, August 2026. Polster für unerwartete Ausgaben: ein halber Monat Ausgaben, mindestens aber 1 300 € (Betrag der Erhebung EU-SILC 2025 für Deutschland).
Wo der Notgroschen hingehört
Ein Notgroschen muss drei Bedingungen erfüllen, und zwar in dieser Reihenfolge: Verfügbarkeit (das Geld ist innerhalb weniger Tage da), Sicherheit (der Wert schwankt nicht und ist geschützt) und erst danach möglichst wenig Verlust durch Inflation. Hohe Rendite ist hier nicht das Ziel. Für mehr Rendite zahlt man mit Risiko oder schlechterer Verfügbarkeit, und der Notgroschen soll gerade dann bereitstehen, wenn es nicht gut läuft.
| Wo | Verfügbarkeit | Schwankt der Wert? | Zins |
|---|---|---|---|
| Bargeld zu Hause | Sofort | Nein, aber es droht Verlust oder Diebstahl, und die Einlagensicherung greift nicht | Keiner |
| Girokonto | Sofort | Nein | In der Regel keiner oder ein symbolischer |
| Tagesgeldkonto (Sparkonto) | Täglich verfügbar, Bedingungen unterscheiden sich | Nein | Ø Giro und Tagesgeld zusammen 0,51 % (August 2026) |
| Sparbuch (Spareinlage) | Kündigungsfrist mindestens drei Monate; ohne Kündigung höchstens 2 000 € je Konto und Monat | Nein | Ø Einlagen mit Kündigungsfrist bis drei Monate 0,73 % (August 2026) |
| Festgeld | Erst bei Fälligkeit, vorzeitig meist nicht oder nur mit Nachteilen | Nein | Ø Laufzeit bis ein Jahr 2,28 % (August 2026) |
| Aktien, Fonds, Krypto | Verkauf dauert einige Tage | Ja, in einer Krise kann der Wert deutlich niedriger sein | Langfristig höhere Rendite, kurzfristig unsicher |
Durchschnittszinsen für Einlagen privater Haushalte in Deutschland aus der EZB-Zinsstatistik, Neugeschäft, brutto, vor Steuern. Tagesgeld zählt dort zu den täglich fälligen Einlagen und wird mit den Girokonten zusammen ausgewiesen. Konkrete Angebote einzelner Banken können vom Durchschnitt abweichen.
Die Inflation lag im September 2026 bei 3,3 %, laut Statistischem Bundesamt der höchste Wert seit Dezember 2023, vor allem wegen gestiegener Energiepreise. Täglich fällige Einlagen privater Haushalte, also Giro- und Tagesgeldkonten zusammen, brachten im August 2026 im Schnitt 0,51 %, Spareinlagen mit bis zu dreimonatiger Kündigungsfrist 0,73 % und Festgeld mit bis zu einem Jahr Laufzeit 2,28 %. Alle drei Durchschnitte lagen unter der Inflation. Ein Notgroschen von 10 000 € auf einem zinslosen Konto verliert bei dieser Inflation in einem Jahr rund 320 € an Kaufkraft.
Für eine Reserve ist das kein Fehler: Ihre Aufgabe ist nicht, Rendite zu bringen, sondern da zu sein. Der Unterschied zwischen den Kontoarten ist im Durchschnitt klein. Zwischen 0 % und 0,73 % liegen auf 10 000 € rund 73 € Zinsen im Jahr, vor Steuern. Wie Zinsen besteuert werden, erklärt das Bundeszentralamt für Steuern.
Sicherheit gibt die gesetzliche Einlagensicherung. Wird eine Bank zahlungsunfähig, sind Einlagen bis 100 000 Euro je Kunde und Bank geschützt. Die Entschädigung muss spätestens sieben Arbeitstage, nachdem die BaFin den Entschädigungsfall festgestellt hat, ausgezahlt werden, ohne dass Sie einen Antrag stellen müssen. Durchgeführt wird sie je nach Bank von der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken oder, bei Sparkassen und Volksbanken, von deren eigenen Sicherungssystemen. Für bestimmte einmalige Gutschriften, etwa aus dem Verkauf einer selbst genutzten Wohnimmobilie oder im Zusammenhang mit Heirat, Scheidung, Renteneintritt oder Kündigung, gilt bis zu sechs Monate nach der Gutschrift ein höherer Schutz von bis zu 500 000 Euro; diese Beträge müssen eigens angemeldet werden. Wer bei einer Bank mehr hat, als die Deckung abdeckt, kann das Geld auf mehrere Banken verteilen.
Wie Sie einen Notgroschen aufbauen, wenn Sie bei null anfangen
Ein Notgroschen von sechs Monatsausgaben ist für die meisten Menschen ein Ziel für Jahre, nicht für Monate. Deshalb hilft es, Stufe für Stufe vorzugehen:
- Zuerst das Polster für unerwartete Ausgaben. Ein halber Monat Ausgaben, mindestens aber die 1 300 Euro aus der EU-SILC-Erhebung. Das ist ein erreichbares Ziel, und genau davon hängt ab, ob aus einer kaputten Waschmaschine ein Kredit wird.
- Ein fester Betrag per Dauerauftrag am Zahltag. Das Geld geht auf ein getrenntes Konto, bevor Sie es ausgeben können. Wie viel Sie sich leisten können, zeigt der Budgetrechner.
- Sonderzahlungen. Steuererstattung, Bonus oder Weihnachtsgeld können den Notgroschen um ganze Monate voranbringen.
- Den Notgroschen von geplanten Ausgaben trennen. Sonst zahlt man aus der Reserve unbemerkt den Urlaub, und sie fehlt, wenn sie wirklich gebraucht wird.
- Nach dem Gebrauch wieder auffüllen. Ein Notgroschen, aus dem einmal Geld genommen wurde, wird mit demselben Dauerauftrag wieder aufgebaut.
Wer teure Schulden wie einen Dispositionskredit oder eine Kreditkarte abzahlt, muss zwischen Reserve und Tilgung abwägen. Ohne die erste Stufe wird aus einer unerwarteten Ausgabe aber oft neue Schuld. Die Reihenfolge der Tilgung können Sie im Schuldenabbau-Rechner durchrechnen.
Wann Sie den Notgroschen anrühren
Drei Fragen helfen: Ist die Ausgabe notwendig? Ist sie unerwartet? Und ist sie dringend? Wenn Sie dreimal mit Ja antworten (die Heizung fällt im Winter aus, das Einkommen bricht weg, eine nötige Behandlung steht an), ist das genau die Situation, für die es den Notgroschen gibt. Wenn nicht, geht es um eine geplante Ausgabe oder einen Wunsch. Dafür sind eigene Ersparnisse da, nicht die Reserve.
So behalten Sie den Notgroschen in Assetli im Blick
Assetli berechnet den Notgroschen aus Ihren tatsächlichen Zahlen statt aus einer Schätzung:
- Der Finanzgesundheits-Score in der Analytik nimmt das Geld auf Giro- und Sparkonten sowie das Bargeld und teilt es durch Ihre durchschnittlichen monatlichen Ausgaben des letzten Jahres. Das Ergebnis sehen Sie in Monatsausgaben. Die volle Punktzahl für die Reserve gibt es ab sechs Monaten.
- Das Bild „Mein Vermögen“ in der Übersicht zeigt die Reserve als Zaun vor dem Haus. Ein Zaunfeld entspricht einem Monat Ausgaben, bei sechs Feldern schließt sich der Zaun.
- Umschläge auf den Bankkonten trennen den Notgroschen von Geld für Urlaub oder Auto, auch wenn alles auf demselben Sparkonto liegt.
- Ungenutztes Guthaben: Liegt auf einem Girokonto ohne Zinsen ein größerer Betrag, zeigt Assetli, was ein Sparkonto darauf bringen würde, anhand einiger Angebote aus offiziellen Preisaushängen von Banken und des Marktdurchschnitts aus der EZB-Statistik, und weist Sie darauf hin. Assetli vermittelt keine Konten und empfiehlt keine Banken.
Notgroschen ohne Rechnen: Assetli addiert die Salden aller Konten, berechnet die durchschnittlichen Ausgaben aus Ihren Umsätzen und zeigt, wie viele Monate Ihr Notgroschen reicht. Sehen Sie sich an, wie die Analytik für persönliche Finanzen funktioniert.
Häufige Fragen
Wie hoch sollte ein Notgroschen sein?
Meist werden drei bis sechs Monatsausgaben genannt; die Verbraucherzentrale nennt als Faustregel zwei bis drei Monatsgehälter. Bei den durchschnittlichen Konsumausgaben eines Haushalts in Deutschland (3 257 € im Monat laut Destatis für 2024) wären drei bis sechs Monate rund 9 800 bis 19 500 €. Näher an sechs Monaten und darüber liegen Sie besser mit nur einem Einkommen, mit Selbstständigkeit, schwankendem Einkommen oder einem Immobilienkredit.
Berechnet man den Notgroschen vom Einkommen oder von den Ausgaben?
Von den Ausgaben. Der Notgroschen soll bezahlen, was Sie ausgeben, wenn das Einkommen wegfällt. Am genauesten ist es, die tatsächlichen Ausgaben der letzten zwölf Monate einschließlich Kreditraten, Versicherungen und jährlicher Zahlungen zu nehmen und durch zwölf zu teilen.
Wo parkt man den Notgroschen am besten?
Dort, wo er innerhalb weniger Tage verfügbar ist und sein Wert nicht schwankt: auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto. Einlagen sind durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100 000 € je Kunde und Bank geschützt. Zinsen sind Kapitalerträge; wie sie besteuert werden, erklärt das Bundeszentralamt für Steuern. Aktien und Fonds eignen sich nicht, weil ihr Wert in einer Krise deutlich niedriger sein kann.
Wie viele Menschen in Deutschland haben keinen Notgroschen?
Laut der Erhebung EU-SILC lebten 2025 31,9 % der Menschen in Deutschland in einem Haushalt, der eine unerwartete Ausgabe von 1 300 € nicht aus eigenen Mitteln bezahlen konnte. Der EU-Durchschnitt lag bei 29,2 %. Bei Alleinerziehenden waren es 58,5 %, bei Alleinlebenden unter 65 Jahren 44,7 %.
Ersetzt das Arbeitslosengeld den Notgroschen?
Nur teilweise. Das Arbeitslosengeld beträgt 60 % des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 %, und wird unter 50 Jahren höchstens zwölf Monate gezahlt. Es kommt monatlich nachträglich, und nach einer Eigenkündigung ohne wichtigen Grund kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen eintreten. Knapp die Hälfte der Erwerbslosen sucht länger als ein halbes Jahr nach Arbeit.
Gehört das Geld für Urlaub oder Auto in den Notgroschen?
Nein. Der Notgroschen ist für unerwartete Ereignisse da. Geld für geplante Ausgaben gehört in eine eigene Rücklage oder einen Umschlag. Wer beides zusammen hält, hat in Wirklichkeit einen kleineren Notgroschen, als es aussieht.
Fazit
Ein Notgroschen ist keine Zahl aus einer Faustregel, sondern eine Absicherung, die Sie aus Ihren eigenen Ausgaben berechnen. Die Daten sagen drei Dinge. Fast jeder Dritte in Deutschland kann eine unerwartete Ausgabe von 1 300 Euro nicht aus eigenen Mitteln bezahlen, bei Alleinerziehenden mehr als jeder Zweite. Ein Einkommensausfall kann länger dauern, als das Arbeitslosengeld trägt, denn knapp die Hälfte der Erwerbslosen sucht länger als ein halbes Jahr. Und 2026 verlor ein Notgroschen real an Wert, weil die Inflation über allen Durchschnittszinsen für Einlagen lag. Fangen Sie mit der ersten Stufe an, machen Sie mit einem Dauerauftrag weiter und messen Sie die Reserve in Monatsausgaben. Wie Sie herausfinden, wohin Ihr Geld jeden Monat fließt, lesen Sie im Artikel Cashflow im Haushalt.
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Quellen und Referenzen
- Statistisches Bundesamt (Destatis). Europa in Zahlen: Kein Geld für Rechnungen und unerwartete Ausgaben (EU-SILC 2025, Text vom 11. 5. 2026). destatis.de
- Eurostat. Inability to face unexpected financial expenses by type of household (ilc_mdes04), EU-SILC 2015–2025. ec.europa.eu
- Eurostat. Unemployment by sex, age and duration of unemployment (lfsa_ugad), 2025. ec.europa.eu
- Bundesagentur für Arbeit. Arbeitslosengeld: Anspruch, Höhe, Dauer (abgerufen 30. 10. 2026). arbeitsagentur.de
- Sozialgesetzbuch III, § 147 (Anspruchsdauer), § 149 (Höhe), § 159 (Sperrzeit). gesetze-im-internet.de
- Sozialgesetzbuch II, § 12 (zu berücksichtigendes Vermögen) und § 19 (Grundsicherungsgeld), Fassung ab 1. 7. 2026. gesetze-im-internet.de
- Statistisches Bundesamt (Destatis). Konsumausgaben privater Haushalte nach der Haushaltsgröße 2024, Laufende Wirtschaftsrechnungen (Stand 17. 8. 2026). destatis.de
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- Statistisches Bundesamt (Destatis). Pressemitteilung Nr. 364 vom 13. Oktober 2026: Verbraucherpreisindex, September 2026. destatis.de
- Europäische Zentralbank. MFI-Zinsstatistik: Einlagen privater Haushalte in Deutschland mit vereinbarter Kündigungsfrist bis drei Monate (M.DE.B.L23.D.R.A.2250.EUR.N), August 2026. data.ecb.europa.eu
- Europäische Zentralbank. MFI-Zinsstatistik: täglich fällige Einlagen privater Haushalte in Deutschland (M.DE.B.L21.A.R.A.2250.EUR.N), August 2026. data.ecb.europa.eu
- Europäische Zentralbank. MFI-Zinsstatistik: Einlagen privater Haushalte in Deutschland mit vereinbarter Laufzeit bis ein Jahr, Neugeschäft (M.DE.B.L22.F.R.A.2250.EUR.N), August 2026. data.ecb.europa.eu
- Deutsche Bundesbank. MFI-Zinsstatistik: Beantwortung ausgewählter Fragen (FAQ 1.0, Stand Juni 2010), Abschnitt 2.4 Tagesgelder. bundesbank.de
- Kreditinstituts-Rechnungslegungsverordnung, § 21 Abs. 4 (Spareinlagen). gesetze-im-internet.de
- Einlagensicherungsgesetz, § 8 (Deckungssumme) und § 14 (Erfüllung der Entschädigungsansprüche). gesetze-im-internet.de
- Entschädigungseinrichtung deutscher Banken. Fragen und Antworten. edb-banken.de
- Bundeszentralamt für Steuern. Kapitalerträge. bzst.de
- Verbraucherzentrale (Quelle: Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein). Zwei bis drei Monatsgehälter gehören für Notfälle aufs Tagesgeldkonto (Stand 12. 2. 2026). verbraucherzentrale.de
- Vanguard. The relationship between emergency savings, financial well-being, and financial stress (April 2025). corporate.vanguard.com
- Gjertson, L. Emergency Saving and Household Hardship. Journal of Family and Economic Issues 37 (2016), S. 1–17. doi.org
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